Neue Medien, echt alte Schläuche

Nachdem Bertram gerade so schön das Thema Das Internet und die öffentlich rechtlichen Sender aufgemacht hat, kam gestern die Ernüchterung. An Stelle von ARDtube mit Embed-Codes für alle Inhalte und was man sich sonst noch so schöne Dinge überlegen kann, rückte die Realität. Ich durfte beim rbb eine Podiumsdiskussion verfolgen. Das Thema: Total digital? Die Zukunft der Medienwelt in Berlin und Brandenburg

Als ich reinkam, frage ich den Portier: Ich suche die Zukunft der Medienwelt? Sagt die neben ihm stehende Frau hinterm Tresen: Die suchen wir hier auch schon länger. Aber wenn sie zur Veranstaltung wollen, dann geht’s hier schräg rechts nach hinten. Das war denn aber auch so die einzig pfiffige Bemerkung des abends. Der Grundtenor ging eher so: Ja wollen die Leute überhaupt diese vielen verwirrenden Sachen wie DAB, DVB oder [schluck] Internet, bildungsbürgert gutmenschlich Moderator.

Der Printmann von der Märkischen definiert das Netz immer noch als ein “weiteres Distributionsmedium”. Leserkommunikation ohne Medienbruch ist für ihn bestimmt ein Zeitungspapierflieger, der ihm ins offene Redaktionsfenster geworfen wird.

Und Dagmar Reim, allgewaltige Intendantin des rbb, ist stolz auf ihr digitales Sendezentrum (recht so). Und findet werbefinanziertes Lokalfernsehen durchweg suspekt und popelig (nachdem Wolf Siegert aus dem Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten zitierte, dass gerade lokales Fernsehen von Digitalisierung und immer günstiger werdenden Technik profitieren würde). Suspekt weil: das lokale Autohaus ja mit ein paar hundert EUR den Sendebetrieb finanzieren würde und demnach auch das sagen hat.

Je nun. Ich finanziere auch via GEZ den Sendebetrieb des rbb, und hab dorten, wie allen andren gebührenzahlenden Zuschauer auch, erstmal rein gar nichts zu melden. Und die rbb Media GmbH verkloppt nur nichts an lokale Autohäuser, weil der rbb lokal schlicht nicht vorhanden ist. (Nicht das im lokalen Rundfunk alles zum Besten steht. Aber dafür finanziert TV Winzstadt auch nicht die Tour D’Oping und muss nicht alle naselang einen Sportkoordinator wg unsportlicher Umtriebe freisetzen.)

Kinder, Kinder. Zurück zur Sache. Da sitzen die Kollegen auf Bergen von Inhalten, und alles versendet sich wie zu Grossmama Dampfradios Zeiten. Muss doch nicht sein. Geht doch auch anders. Aber lieber wetteifern die Fernsehfrau und der Zeitungsmann um ewiglichere Themen: wer stirbt zuerst aus – Zeitungsleser oder öffentlich-rechtlicher Fernsehzuschauer? Vanitas vanitatum, macht nix. Die Berlin/Brandenburger Unternehmen EOStv und http://www.der-billigbestatter.de helfen ihnen gerne weiter.
Na eben. Poppt doch, die Zukunft der Medienwelt in Berlin und Brandenburg.

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